Politik : Das Sterntalerexperiment: Mein Leben ohne Geld

Das Sterntalerexperiment: Mein Leben ohne Geld

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Keine Revolution, aber ein Anstoß - Zugegeben: Ich bin ein Luxusbaby, will sagen: Meine Generation hat nie Not, Elend, Armut, Hunger erfahren, ich hatte immer alles, was ich brauchte, manchmal sogar, was ich wollte, ich musste mich selten einschränken. Das hat sich in den letzten ein, zwei Jahren aus diversen Gründen ein wenig geändert. Ich habe noch immer alles, was ich brauche, doch ich muss auch Grenzen ziehen und verzichten (können). Das ist die Ausgangsbasis.Schwermer fiel mir zufällig in die Hände (oder wurde mir gefallen von jemandem auf einem Flohmarkt). Es war ein glücklicher Zufall, ich nenne das Buch: eine Bereicherung. Nicht weil ich so leben kann und will wie Schwermer, sondern weil viele kleine Ideen, die sie hat und beschreibt, meine Einstellung, ja vielleicht mein Leben geändert haben und ändern.Ich habe immer gerne gegeben, doch ich hatte mit dem Nehmen Probleme, ich kam mir tatsächlich wie ein Bettler vor, denn man braucht dieser Tage nichts von anderen. Das betrifft nicht nur Geld, sondern gerade immaterielle Dinge. Heute biete ich meinen Wagen für Mitfahrten an, ich koche für andere oder hole Sachen, die transportiert werden müssen oder putze Fenster, dafür nehme ich mir z. B. die Nahrungsmittel für s Kochen oder die Reparatur von meinem Fenster u. ä. Geben und Nehmen geht in vielen kleinen und großen Rahmen, ohne Nach- oder Aufrechnen, und hält sich meist die Waage.Ich überlege heute, ob ich etwas wirklich brauche oder will, weil ICH es will oder weil es heisst, man müsse es haben. Ich kann wunderbar ohne die must haves leben - und fühle mich sogar freier denn je dabei. Kurzum: Ich bin zufrieden. Nicht nur dank Schwermer, sondern auch dank Schwermer. Besonders positiv an diesem Buch ist, dass sie nicht missionieren oder ihre Lebenseinstellung oktroyieren will. Sie bietet Ansätze und mögliche Lösungen, die jeder für sich umsetzen, verändern, ausprobieren oder ablehnen kann.Mein einziger Kritikpunkt: Schwermer ist bisweilen sehr spirituell, sie setzt auf Engel. Als paganer und sakulärer Mensch komme ich damit nicht gut klar, jedoch ist es mehr ein Randthema.PS: Frau Schwermer ist per Mail zu erreichen und beantwortet auch Fragen. Und es gibt in Deutschland bereits verschiedene Gib-und-Nimm-Kreise

Enttäuschend - Ich hatte Heidemarie Schwermer im Fernsehen gesehen und mir sofort das Buch bestellt, so begeistert war ich von ihr und ihrer Lebensweise. Das Buch hingegen empfand ich als Enttäuschung. Von den unkonventionellen Ideen und dem andersartigen, interessanten Leben abgesehen, wirkt der Bericht auf mich lieblos runtergeschrieben und wie eine Aneinanderreihung verschiedener Ereignisse. Mir fehlen oftmals detaillierte Beschreibungen der einzelnen Situationen und auch die Tiefe. Würde ich nicht verschenken. Schade.

Wertvoll, wenn auch nicht konsequent - Eine neue Perspektive zum Thema Lebensunterhalt. Durch die autobiografische Erzählweise hat man als Leser einen direkten Einblick in die Gedanken und Nöte der Autorin - was das Buch zu einer wertvollen Inspirationsquelle macht. Einziges Minus: unlogische, teilweise inkonsequente Argumentation, vor allem am Schluss. Da wird euphorisch ein Leben ohne Geld bilanziert, gleichzeitig aber von der Lust am spontanen Käsekaufen berichtet. Dann schreibt die Autorin vom ziellosen Zug- und Busfahren zwecks Meditation, nur verschweigt sie, dass Schwarzfahren hierzulande 70,- Euro kostet. Auch das an sich geniale Housesitting-Modell als Alternative zum mietfreien Wohnen wird angerissen, aber nicht aufgelöst, so dass man sich fragt, ob das SO überhaupt stattgefunden hat. Und dass Ökoläden oder Supermärkte Ware vom Vortag verschenken, stimmt zwar, ist aber in den Großstädten idR. durch die Städtetafeln streng reglementiert und exklusiv. Als Privatmensch kommt man in diesen Genuss nicht. Insgesamt aufschlussreich, wenn auch nicht zur Nachahmung geeignet.

Zinslos glücklich..... - Auf den Gedanken, daß man sich nicht wirklich um seinen eigenen Unterhalt Sorgen machen muß, bin ich erstmals im Buch Gott Ich Bin von Peter O.Erbe gestoßen, in dem es heißt Mein Sein ist mein Unterhalt. Dann fand ich in der Blume des Lebens Band 2 von Drunvalo Melchizedek einen längeren Abschnitt über sein mehrjähriges Leben ohne Einkommen in Kanada und welche Finanz-Wunder sich da ereigneten (und das Geheimnis lautete:Wenn Menschen für sich selbst sorgen, hilft ihnen Gott nicht. Wenn Menschen ihren Unterhalt Gott anvertrauen, dann sorgt er für ihren Unterhalt - auf seine Weise). Ein Zeitungsartikel machte mich auf Frau Schwermer und ihr Buch aufmerksam. Es gibt auch einen TV-Beitrag, der ab und zu gesendet wird. In ihrem Buch kommt der Aspekt des Sich-Anvertrauens an das Schicksal nur ansatzweise heraus, doch ist sie offen und aufmerksam genug, um zu bemerken, daß ihr Leben jetzt auf kleinen Wundern beruht, auf einer Art intuitiver Kommunikation mit Gott und ihren Handlungen, wie ich sie zuletzt in Kryons Erzählungen in der Geschichte mit der fehlenden Brücke gelesen habe. Wenn Frau Schwermer NICHT glücklich sein sollte mit ihrer Lebensweise, dann liegt es nicht an ihrer Lebensweise sondern an dem, wie wir mit ihrer Lebensweise umgehen. DAS macht unglücklich! Da die meisten Menschen mit Furcht, Panik, ja, einer Lebens-Urangst auf die Vorstellung reagieren nicht abgesichert zu sein, wird sie oft abgekanzelt. Sie führt im Grunde ein Opfer-Leben als Mahnmal für eine Nation, in der die Versicherungsquote so hoch ist wie in keinem anderen Land der Welt. Und das ist wohl auch die Lehre aus ihrem Buch: So sehr wie wir Deutschen uns mit allen möglichen Systemen absichern, muß man sich wirklich nicht absichern! Denn die Absicherungssysteme haben dazu geführt, daß sich immer weniger Menschen um ihren Nächsten persönlich kümmern - soll er sich doch ZUSTÄNDIGKEITSHALBER an seine Versicherung oder an das XYZ-Amt wenden! Ermutigt durch ihr Vorbild und das der anderen Quellen lebe ich selbst seit über einem Jahr in ähnlichen Verhältnissen, und man staune: Auch bei mir geht es ohne irgendeine Versicherung und ohne Einkommen - auch ohne Sozialhilfe, Arbeitslosengeld oder Almosen: Man kann es also nachmachen!

Eine ganz andere Perspektive - Der Gedanke löst Angst aus: Kann ich ohne Geld leben? Er löst Angst aus, vielleicht noch nicht, wenn man an den eigenen Fernseher oder die Stereoanlage denkt. Aber schon bei der Miete flippt man eigentlich aus. Und dann erst: Was wäre bei Krankheit ohne Krankenkasse, bei einem Unfall gar? Diesen Frage musste sich die Autorin in ihrem Leben ohne Geld natürlich stellen. Sie tut es auch. Schritt für Schritt, nicht auf einmal, verändert sie ihr Leben in ein Leben ohne Geld. Das bedeutet nicht, dass jeder Leser oder jede Leserin es ihr nachtun müsste - aber es zeigt, wie diese spezielle Frau es geschafft hat, und dabei zeigt es auch, dass ein Leben ohne Geld nicht einfach Mittellosigkeit bedeutet, sondern eine in allem sich verändernde Weltsicht, aus der sich Türen öffnen, die neue Perspektiven an die Stelle des Geldes rücken, geistige Perspektiven, aus denen sich dann sogar Fragen wie die nach Krankenkasse oder Miete beantwortet haben. Man muss immer dazu sagen: In diesem speziellen Leben. Es geht hier nicht um eine Ideologie, wohl eher um eine Befreiung. Und die kann einen schon packen.




Das Sterntalerexperiment: Mein Leben ohne Geld