Politik : Lob der Schule: Sieben Perspektiven für Schüler, Lehrer und Eltern

Lob der Schule: Sieben Perspektiven für Schüler, Lehrer und Eltern

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Rezension: Lob der Schule - Joachim BauerLob der SchuleSieben Perspektiven für Schüler, Lehrer und ElternHofmann und Campe Verlag, Hamburg, 2007Bei diesem Buch handelt es sich um ein Werk, das dem Leser verschiedene Probleme des Schulsystems und angehängter Bereiche mitsamt Lösungsvorschlägen nahe bringen möchte. Laut innerem Klappentext wird dabei der Schwerpunkt auf eine neurobiologische Basis gesetzt. Das Buch ist in sieben Kapiteln gegliedert, die kurz vorgestellt und bewertet werden, gefolgt von einem Fazit. Die einzelnen Kapitel:Kapitel 1: Zu Anfang des ersten Kapitels wird, wie in jedem Kapitel, ein Themenschwerpunkt eingeleitet, der in den folgenden Abschnitten erörtert wird. Oft mit Vergleichen untermalt und verdeutlicht, die wirklich gut gewählt sind. So wird zu Beginn des Kapitels, gleichsam als Rechtfertigung, die Notwendigkeit des gesamten Werkes verglichen mit einem Buch über Brunnenbau und Bewässerung, ideal für diejenigen, die ein land fruchtbarer machen möchten. Ausdrücklich soll es sich bei diesem Werk um ein Sachbuch handeln, dass einen idealen Nährboden dem Leser sichtbar bringen soll, auf dem Liebe zum Leben, Motivation zum und Lust am Lernen gedeihen können. Die, zumeist bekannten, Probleme dafür werden kurz umrissen und ein Leitfaden der unterschiedlichen Lösungswege entrollt. Mit den in der Einleitung aufgeworfenen Schlagwörter, wie Kooperation zwischen Lehrern, Eltern und Schülern, die Fähigkeit zu Beziehungen und für das Lehren und Lernen und der Wunsch dazu, ist knapp dargestellt, worum es in den folgenden Kapitel gehen wird. Das Problem der Unterrichtssituation wird dargestellt. Zu Beginn werden Schulen vom Autor, leicht übertrieben, vielfach als Orte des Grauens dargestellt. Ebenso der Hinweis auf den hohen Prozentsatz der schulbesuchenden Kinder mit schweren körperlichen und psychischen Störungen. Der Autor hantiert zu sorglos mit klinischen Studien, wie auch des weiteren in diesem Werk. Allerdings sind die aufgeworfenen Probleme und Lösungsansätze gut markiert, sei des durch Kursivschrift oder als Anfangssätze neuer Abschnitte. Auch dies gilt für das gesamte Werk. Das Einheften von Wissensinhalten in das Kind wie in einem Aktenordner wird kritisiert. Dagegen rückt der Wert einer funktionierenden Beziehung zwischen Schüler und Lehrer in den Focus. Ein kleiner Abschnitt über Gene und deren Wirkungsmöglichkeiten unterstreicht den Hinweis auf die Neurobiologie im Klappentext. Der Autor wendet sich gegen die Meinung, alles sei von den Genen determiniert, er legt den Schwerpunkt mehr auf die Wechselbeziehungen zwischen Umwelt und dem ICH, damit zwischen Biologie und Psychologie. Mit dieser Meinung hat Bauer sicherlich recht, allerdings werden selbstverständliche Aussagen, auch mit der Beschreibung dreier biologischer Botenstoffe im Körper etwas kompliziert und unglücklich dargestellt, v.a. für diejenigen, die sich mit biochemischen Vorgängen nicht so sehr beschäftigt haben. Die Gefahr von Ersatzreizen wird gut beschrieben und einer funkmtionierenden Wechselbeziehung von Umwelt und Ich gegenübergestellt. Der Wichtigkeit des Lernens am Modell wird ein eigener Abschnitt eingeräumt, ein großer Pluspunkt. Unterstrichen wiederum mit einem Exkurs in die menschliche Biochemie, anhand der Beschreibung von Spiegelneuronen. Am Ende des Kapitels lässt der Autor aus mangelnder Akzeptanz eine erhöhte Aggressionsbereitschaft entstehen. Darüber lässt sich sicherlich streiten, aber mit dieser Meinung steht Herr Bauer nicht alleine. Kapitel 2: Wiederum ein gut gewählter einleitender Vergleich, diesmal zwischen einem Amsel vertreibenden Falken und Angst empfindender Schüler. Herr Bauer lobt eine plastische Pädagogik: Durch Training und Übung optimierte Neuronen führt zur Ausbildung von Kompetenzen. Dem kann nicht widersprochen werden. Der Schwerpunkt des folgenden Textes könnte man aber auch dem vorangegangen Kapitel zuordnen: Die Begleitung als Modell und eine damit erzeugte Resonanz auf Seiten der Schüler wird als Motivationshintergrund vorgestellt. Weiters beschäftigt sich der Autor mit der Bedeutung von Musik und Bewegung und deren Auswirkungen auf eine wirkungsvollere geistige Betätigung. Gut untermauert werden die einzelnen aufgestellten Thesen durch Zitate und Hinweise auf entsprechende Literaturstellen. Das Kapitel endet mit einer Gegenüberstellung von Ganz- und Halbtagsschulen und deren Bedeutungen für die darin arbeitenden Lehrer wie Schüler. Positiv anzusehen ist dem Autor, dass er möglichst objektiv die verschiedenen Situationen beschreibt und Nach- sowie Vorteile aus unterschiedlichen Blickrichtungen darstellt. Kapitel 3:Lehrer: Herr Bauer würdigt die Schwerstarbeit der Unterrichtenden. Ein heute leider selten anzutreffender Standpunkt. Wirklichkeitsgetreu beschreibt er ihre weit umfassenden Aufgaben als pädagogische, psychologische, soziale und richterliche Arbeiten. Ob allerdings die erwähnten Lehrer-Coachinggruppen denen helfen können, die nicht über die notwendigen Eigenschaften verfügen können oder wollen, bleibt dahingestellt. Aber heutzutage ist es ja modern, Coachinggruppen für alles und jedes aufzustellen. Die Notwendigkeiten guter Beziehungen zu den Eltern und im Kollegium werden gut und mit verständlichen Beispielen aufgeführt, ebenso wie der Hinweis auf die gesundheitliche Lage und die eigene Identität des Lehrenden. Kapitel 4:Es schließt inhaltlich direkt an Kapitel 3 an: Berufswahl und Lehrerausbildung. Einem sehr guter Vergleich der Aufgabe eines Lehrers mit der eines Dompteurs in der Arena folgt eine Aufzählung von Hinweisen für ein gutes Auftreten in der Klasse. Damit hat Herr Bauer die Quintessenz eines guten Lehrers sehr treffend und gut gegliedert sozusagen in den Focus seines Werkes gestellt. Nach einem Hinweis auf eine verbesserungswürdige Ausbildung für Lehramtstudenten folgen im nächsten Kapitel:Kapitel 5:Die Eltern. Eine Lanze für die Eltern! Herr Bauer beschreibt wiederum sehr objektiv die unterschiedlichen Typen von Eltern, die die sich engagieren und die, denen alles einfach nur egal ist. Aber der Ansicht des Autors, dass sich mit dem Eintritt in die Schule eine zweiseitige Konstellation sich in eine Dreiseitige wandelt und damit die Rolle der Eltern sich ändert, kann ich als Vater nicht zustimmen. Folgt man den Gedankengängen des Autors, so lebt das Kind seit der Geburt in einer Konstellation aus drei Elementen: Kind Eltern Umwelt. Allerdings gebe ich Herrn Bauer insofern recht, als dass der Schule eine besondere Aufmerksamkeit zukommt. Der Abschnitt über den Einfluss der Eltern auf die Motivation und ihre Erklärung der Welt, die dann von den Kindern getestet wird, findet sich bereits zusammengefasst im Kapitel 2 bei den Auswirkungen funktionierender Modelle. Neu hinzu kommt die Bedeutung einer gemeinsamen Mahlzeit, allein dafür sollte dieses Buch zur Pflichtlektüre für viele Eltern werden. Rollenbeschreibungen von Vätern und Gruppendruck runden das Kapitel recht umfassend ab. Auf die Rolle der Medien wird kurz aber treffend eingegangen.Zum Abschluss des Kapitels wiederum eine Aufstellung von 10 Regeln für Schüler, ein passendes und treffendes Gegenstück zu:siehe Kapitel 4. Kapitel 6:Nach einem objektiven Plädoyer für mehrere Arten, gute Schule zu machen, stellt Herr Bauer Mindestanforderungen für die Stätten des Unterrichtes. Eigentlich alles selbstverständlich, nur muss die Politik auch seriöse Beiträge dazu leisten. Die Objektivität des Autors setzt sich auch im Abschnitt über Gesamt- oder gegliederte Schulsysteme fort. Schonungslos rechnet er aber mit den Methoden zur Qualitätssicherung ab. Pädagogik und Arbeit an Bildung ist mehr als Fragebogenaktionenwahrlich treffend ausgesagt!Leider bricht der Autor am Ende des Kapitels wieder eine Lanze für Qualitätssicherungsmanagement. Das kann man auch leichter sowohl umschreiben wie auch ausführen durch gemeinschaftliche Sitzungen von Lehrern, Eltern und Schülern. Kapitel 7:Eine Zusammenfassung des gesamten Werkes: Hier greift Herr Bauer wieder die Bedeutungen der Wechselwirkung zwischen Umwelt und dem ICH auf, also zwischen den unterschiedlichen Einflüssen, der Psychologie und der Biologie. Entstehung von Aggressionen, wie auch die Bedeutung von Eltern als Modelle, die Wichtigkeit sozialer Regeln und Erfahrungen werden wiederholt. Der Hinweis auf die Entstehung von ADHS kann man als etwas übertrieben ansehen, wie auch die Diskussionen heutzutage in sehr unterschiedlichen Meinungen darüber ausarten. Kinder sind, neurobiologisch und psychologisch gesehen, wie ein Schwammdas ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit, die man aber, mitsamt all den daraus resultierenden Konsequenzen nicht oft genug herausschreien kann! Fazit: Vieles, was der Autor anführt, soll als Selbstverständlichkeit angesehen werden, dies ist aber leider nicht oft der Fall. Insofern legt Herr Bauer den Finger in genau die Wunden, an denen heute Schüler, Eltern und Lehrer so oft erkranken. Der Autor ist schlau genug, um nicht für jedes Problem eine Patentlösung aufzuführen, aber er weißt sowohl auf die Notwendigkeiten von Verbesserungen hin wie auch auf die damit verbundenen Schwierigkeiten. Dieses Buch sollte man als angehender Lehramtskandidat genau so lesen wie als Elternteil und als Schüler. Nicht zu vergessen die Verantwortlichen in der Politik, an denen es auch liegt, für Verbesserungen zu sorgen.

!!!!!!!!!!die zukunft dem neurobiologen !!!!!!!! - ich bin ein alter mann und betrachte naturgemäß die schule aus einiger distanz. das buch ist mir einfach untergekommen . es ist interessant zu lesen . bei jedem kapitel hatte ich den eindruck des déjà vu, somit scheint die leistung des autors darin zu liegen selbstverständliches zusammengefasst zu haben, das gehört auch hervorgehoben. demnach entstand ein hoch informatives kompendium mit einer menge an querverweisen, natürlich zu anderen werken des autors. nachdem festgestellt wurde, dass naturwissenschaften, pädagogik, psychologie, philosophie und natürlich die gedankensschemata der aktuellen wirtschaft keine betrachtungsbasis zu einer funktionierenden symbiose aus schülern, deren eltern und den lehrenden bilden können, ist die messianische heilslehre für eine künftige effiziente schule nur von den neurobiologen zu erwarten, denn diese wissen wie das hirn des menschen tickt und daher wie dessen empfindungen und lernmechanismen funktionieren ! vergesst pisa (das mit vollem recht), denn die neurobiologie weist in die zukunft. wie vom autor ausgearbeitet galt bis dato non vitae, sed scholae discimus, welches aber auch schon der alte seneca wußte. künftig soll es hingegen nurmehr die orientierung an vorbildern (auch an vätern, die hier im gegensatz zu den paradigmen des aktuellen mainstreams durchaus ihre existenzberechtigung haben.....) des täglichen lebens geben, wobei die ausgesuchten vorbilder auch erst einmal lernen müssen sich untereinander und miteinander vorbildhaft zu benehmen. so einfach ist das !

Lob der Achtsamkeit - Dieses Buch gehört wirklich in die Hand jedes Lehrers, und auch Eltern können davon profitieren. Ich habe den Hinweis in Vera Kaltwassers neuem Buch Achtsamkeit in der Schule gefunden und finde Bauers umfassende Einschätzung der Schulsituation absolut treffend, aber er bleibt nicht dabei stehen, sondern zeigt wie wichtig es ist, dass Lehrer lernen in Beziehung zu Schülern zu gehen und authentisch Grenzen setzen.Wie wichtig das Betriebsklima in der Schule für das Lernen ist wird ebenso aufgezeigt wie die Notwendigkeit, dass Schüler lernen sich selbst wahrzunehmen und proaktiv zum Beispiel Stress zu lösen. Hier gibt das Buch Achtsamkeit in der Schule bei Beltz sehr gute praktische Hinweise, aber auch wie bei Bauer die theoretische Unterfütterung.Sicherlich hat der Verlag nicht umsonst im Hinblick auf die verstaubten Thesen von Lob der Disziplin das Buch Lob der Schule genannt.

wichtig und richtig - aber Lehrer können keine Übermenschen sein - Ein sehr interessantes und zum Glück auch kompaktes Buch eines Neurobiologen und Psychotherapeuten, der mit vielen Mythen rund um Disziplin aufräumt und zunächst einmal die möglichen positiven Wirkung von Lehrkräften und Erziehungspersonen näher beleuchtet. Auch wenn Bauer streitbar schreibt, verfällt er nicht in billige Die Gesamtschule muss her-Polemik o.ä., stellt jedoch viele Mängel des derzeitigen Schulssystems in Deutschland fest. (Besonders treffend fand ich seine Beobachtung, dass nur mehr karrieregeile, verbissene Kollegen zu Schuldirektoren werden, da die Arbeitsbedingungen in diesen Stellen so furchtbar schlecht sind.) Einen Punkt ziehe ich ab, weil Bauer für mich einen Aspekt übertreibt - der Lehrer kann einfach nicht der 100% selbstbewusste, imemr gut gelaunte, top motivierte, perfekt eloquente Zeitgenosse sein, wie es Bauer teilweise suggeriert - dieser Ruf nach einem Übermenschen kann m. E. n. nur ungehört verhallen.

Mehr als Disziplin - Zugegeben: Den Bestseller Lob der Disziplin von Bernhard Bueb habe ich nicht gelesen. Er interessiert mich auch nicht. Dass erst ein gewisses Maß an Disziplin ein soziales Miteinander erlaubt, ist trivial. Und dass ausgerechnet Disziplin unsere so genannte Bildungsmisere retten soll, mag ich nicht glauben. Meine neurobiologische Ausbildung und meine Erfahrung als Vater haben mich etwas anderes gelehrt.Ein weiteres Buch weckte meine Neugier dagegen auf den ersten Blick: Das Lob der Schule des Freiburger Psychotherapeuten und Mediziners Joachim Bauer ist als Antwort auf Buebs Streitschrift gedacht, funktioniert aber auch alleine: Bauer entwirft einen konstruktiven Plan zur Verbesserung des Lernumfelds von Kindern, eine Neurobiologie der Schule. Hier schreibt einer, der die moderne Hirnforschung und die psychologische Fachliteratur kennt sowie als Leiter des Münchner Instituts für Gesundheit in pädagogischen Berufen zahllose konkrete Tipps für Eltern, Lehrer, Politiker und Schulleiter parat hat. Schulen sollten vor der Einschulung einen Vertrag mit den Eltern schließen, der diese in die Pflicht nimmt, ist einer dieser Tipps. Und sie sollten die Überprüfung ihrer Qualität selbst in die Hand nehmen: Die Evaluation von Schulen muss eine Evaluation in den Schulen sein, und sie muss sich gegen das hysterische Theater behaupten, das Großorganisationen wie die OECD veranstaltet haben und weiter veranstalten werden.Vor allem aber sollten wir uns alle wieder mehr um jene kümmern, um die es wirklich geht: Zwischenmenschliche Beziehungen sind für Kinder eine Art essenzielles Vitamin, sie sind genauso wichtig wie gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf. Wir müssten den Schülern wieder gute Vorbilder sein, in denen sie sich spiegeln könnten, müssten ihnen vernünftige Perspektiven eröffnen, die sie anspornen, mehr zu lernen: Familie und Schule müssen, jeweils für sich, ein Mirror System werden, das heißt, Eltern und Lehrer müssen Einfühlung üben.Bauer beschreibt, wie das gelingen kann und er nennt Methoden zur Konfliktvermeidung. Zwischendurch hagelt es Seitenhiebe auf die Disziplin-Fanatiker: Vor den Regeln der Gemeinschaft kommt die Gemeinschaft, liest man erfreut. Und: Der Mangel, den wir zu beklagen haben, ist nicht die Erosion von Disziplin und nicht die Missachtung sozialer Regeln, sondern die Tatsache, dass es zu viele Kinder gibt, mit denen diese Regeln nicht gemeinsam gelebt wurden und werden.Dieses Buch ist rasch gelesen. Die Fülle an Informationen und durchdachten Denkanstößen macht es so kurzweilig. Die Umsetzung der Ideen dürfte dagegen eine Riesenaufgabe sein, die neben Kreativität und Empathie auch sehr viel Disziplin erfordert - allerdings weniger von den Schülern als von Eltern und Lehrern.




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